Kapitel 4 · Lebenszeit

Ein Sechstel unseres wachen Lebens

Was sichtbar wird, wenn man die eigene Lebenszeit einmal nüchtern aufrechnet.

Was im vorherigen Kapitel eher wie eine Idee klang, lässt sich hier einmal grob in Zeit übersetzen. Abstrakt wird diese Freiheit erst dann konkret, wenn man auf die Zeitbilanz schaut. Dann wird sichtbar, wie viel der vermeintlich freien Lebenszeit in Erwerbsarbeit und ihre Ränder fließt: Pendeln, Vorbereitung, mentale Nacharbeit.

Ein durchschnittliches Leben umfasst grob gerechnet rund siebenhunderttausend Stunden. Zieht man den Schlaf ab, bleiben etwa vierhundertsechzigtausend Stunden bewusster Zeit. Wer acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche, vierzig Jahre lang arbeitet, kommt allein für die Erwerbsarbeit auf knapp achtzigtausend Stunden. Und das ohne Überstunden, ohne den Weg zur Arbeit, ohne die Abende, an denen der Kopf noch im Büro ist. Fast ein Sechstel unseres wachen Lebens verbringen wir damit, Ausschnitte unserer Existenz gegen Geld zu tauschen.

Deutlicher wird es, wenn man Rüstzeiten – Fahrzeiten und Zeit für die Vorbereitung zur Arbeit – mit einbezieht. Dann ist es nicht nur Arbeit, die Zeit frisst, sondern der ganze Rahmen, der sie möglich macht.

Auszug aus dem Buch „Wie ein System uns müde macht“ von Harald Stopfkuchen.

Wenn Sie solche Gedanken weiterverfolgen möchten: Bleiben Sie über die Reihe „Die unerträgliche Leichtigkeit des Scheins“ auf dem Laufenden — oder lesen Sie zuerst die Leseprobe.

Erst die Klausur, dann der Einkaufsbum… →